11.06.2008 / FTD      

Telekommunikation

Neustart mit Preisrutsch

Apple setzt auf Handymassenmarkt · Profinutzer kaum wechselwillig

von Volker Müller und Helene Laube

Doppelte Leistung zum halben Preis: Apple hat die zweite Version des iPhone um viele zuletzt von Kunden vermisste Funktionen wie etwa Satellitennavigation ergänzt " verkauft das Gerät aber zu einem radikal gesenkten Preis. Das Mobiltelefon habe daher gute Chancen, im Privatkundenmarkt zum Bestseller zu werden, urteilten Experten. Bei Firmenkunden zweifelten sie hingegen am nachhaltigen Erfolg. Daran ändere auch eine neue Schnittstelle zu E-Mail-Servern in Firmen wenig.

Um mehr Geräte verkaufen zu können, ändert der US-Elektronikkonzern sogar seine Geschäftspolitik. Das Handy wird künftig subventioniert verkauft, dafür verzichtet Apple auf die bisherigen Umsatzprovisionen durch die Mobilfunkanbieter. In den USA fällt der Preis für das Standardmodell von 400 $ auf nur noch 200 $. Auch in Deutschland wird sich der Preis voraussichtlich halbieren. T-Mobile, exklusiver Vertriebspartner, nannte hingegen keine Preise.

Damit schwenkt Apple auf den Massenmarkt ein. Mehr als zehn Millionen Stück will der Konzern bis Jahresende vom iPhone verkaufen, sechs Millionen hat er bereits erreicht. Der niedrigere Preis sei der richtige Schritt, urteilt Nikolaus Mohr, Branchenexperte des Unternehmensberaters Accenture. „Apple eröffnet sich durch die breitere Nutzerbasis die Möglichkeit, an neuen digitalen Wertschöpfungsketten teilzuhaben.“ In ihnen liege die Zukunft des Mobilfunks. Apple stellte am späten Montagabend unter dem Markennamen Mobileme bereits entsprechende Dienste vor.

Die neue Vertriebspolitik hatte am Montag die Apple-Aktie allerdings auf Talfahrt geschickt. Künftig wird Apple nur noch beim Verkauf einen Einmalerlös erzielen. Bisher war Apple an den Umsätzen der Netzbetreiber beteiligt. Dieses sicherte kontinuierliche Einnahmen. AT&T, exklusiver Partner in den USA, rechnete bereits vor, dass die Verkaufssubventionen den Gewinn je Aktie des Netzbetreibers um 10 bis 12 US-Cent im laufenden und folgenden Jahr mindern würden.

Wenig Chancen sehen Experten für Apple allerdings im Markt mit Firmenkunden: „Bei den Marktanteilen der direkten Wettbewerber in diesem Segment, Blackberry, Palm oder Herstellern von Smartphones mit Windows, wird sich wenig ändern“, sagte Phillip Geiger von der Unternehmensberatung Solon. Keine IT-Abteilung werde eine vorhandene Blackberry-Infrastruktur mit mobilem E-Mail-Service durch das iPhone ersetzen, nur weil dieses leichter zu bedienen sei. Das iPhone verfüge über keine spezifischen Vorteile für Firmenkunden. Davon ist auch Accenture-Berater Mohr überzeugt: „Umsteiger sind für Apple schwierig zu gewinnen. Es geht vielmehr um Einsteiger.“

Apples Chancen bei Unternehmen seien langfristig abhängig von der Qualität und den Produktivitätsgewinnen der von externen Entwicklern entworfenen Programme, urteilte Andy Hargreaves, Analyst bei der Bank Pacific Crest Securities. „Wie im PC-Markt kann gute Software das iPhone zum Standard in gewissen Branchen machen " und nicht nur zu einer Option.“

Allerdings droht Apple bereits zum Jahresende gewichtige Konkurrenz: Dann sollen erste Handys auf Basis des Google-Betriebssystems Android auf den Markt kommen. Eine erste Version hatte Google im Frühjahr präsentiert. Es greift etliche Ideen des iPhone auf und kombiniert sie auf neue Art mit Internetfunktionen. Accenture-Experte Mohr: „Die ersten Prototypen sehen sehr gut aus.“

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