06.06.2008 / FTD      

Informationstechnik

Südkorea überführt Intel illegalen Chipverkaufs

Kartellwächter verhängen Millionenstrafe wegen verbotener Rabatte an PC-Hersteller · Konzern klagt über missachtete Beweise · Auch in Europa droht Strafe

von Volker Müller und Song Jung-a

Südkoreas Wettbewerbsbehörde KFTC hat den US-Chiphersteller Intel zu einer Geldbuße von 26 Mrd. Won (etwa 16,4 Mio. Euro) verdonnert. Nach Angaben der Kartellwächter hat Intel den PC-Herstellern Samsung und Trigem in unzulässiger Weise Rabatte für Prozessoren angeboten. Ziel des weltgrößten Halbleiterherstellers sei gewesen, den Wettbewerber AMD aus dem Markt zu drängen. Intel hat die Entscheidung kritisiert und angekündigt, eine Berufung zu prüfen.

Die aggressive Vermarktung eigener Produkte erweist sich zunehmend als juristischer Bumerang für Intel. Bereits im Frühjahr 2005 hatten die Kartellwächter in Japan den US-Konzern wegen des gleichen Fehlverhaltens zu einer Geldbuße verurteilt und entsprechende "nderungen der Vermarktung verlangt. Weitere Verfahren gegen den Branchenprimus sind in den USA und der Europäischen Union anhängig. Nach FTD-Informationen hat die EU bereits eine interne Vorentscheidung getroffen.

Die Korea Fair Trade Commission hatte Intel nach zweijährigen Ermittlungen im vergangenen Jahr beschuldigt, die Wettbewerbsregeln zu brechen. Der Konzern soll PC-Herstellern unüblich hohe Rabatte eingeräumt haben " gegen die Zusage, keine Prozessoren des Intel-Rivalen AMD zu verwenden. AMD ist nach dem Ausstieg von IBM, Transmeta und Cyrix der letzte verbliebene Prozessorhersteller. Alle AMD-Prozessoren werden in Dresden gefertigt.

Nach Angaben der KFTC hat Intel zwischen 2001 und 2005 Samsung und Trigem 370 Mio. $ für die Intel-Monokultur in ihren PC geboten. „Basierend auf Fakten, haben wir angemessene Schritte unternommen“, sagte KFTC-Chef Baek Yong-ho. „Intel hat mittels seiner vorherrschenden Position Wettbewerb unterdrückt.“

Angesichts der von Intel angebotenen Preisnachlässe hätte AMD keine Chance, den Preiskrieg mit Intel zu gewinnen, selbst wenn AMD seine Prozessoren gratis anbieten sollte, so die KFTC. Der eingeschränkte Wettbewerb zwinge südkoreanische Verbraucher dazu, PC zu höheren Preisen zu kaufen, hieß es weiter.

Zwischen 2001 und 2005 hatte Intel einen Anteil von über 90 Prozent am südkoreanischen Markt " weltweit lag der Marktanteil des Chipherstellers bei 80 Prozent, teilte die KFTC mit. „Egal ob es ein multinationales Unternehmen oder ein südkoreanisches ist, wir werden unfaire Methoden hart bestrafen“, sagte Baek. „Wir wollen ein Marktumfeld erschaffen, das Wettbewerb fördert und von dem die Verbraucher profitieren.“

„Wir sind enttäuscht und widersprechen den Ergebnissen der Untersuchung entschieden“, sagte Intel-Justiziar Bruce Sewell. Die Behörde habe Beweise übersehen oder ignoriert, die belegen, dass Intel rechtmäßig und wettbewerbsfördernd gehandelt habe. Samsung wollte das Urteil nicht kommentieren.

Die noch laufenden Verfahren in den USA und der EU sind ungleich größer. Allein in der EU droht dem Konzern eine Strafe von maximal 2,6 Mrd. Euro. Die europäischen Kartellwächter untersuchen Intels Geschäftsbeziehungen zu PC-Herstellern bereits seit 2001. Sie verdächtigen den Konzern, seinen Kunden Rabatte zu gewähren, die an wettbewerbsbeschränkende Bedingungen geknüpft sind. Zudem habe Intel nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler auch Händler in sein System eingebunden, andere Prozessorhersteller aus dem Markt zu drängen. So hat Intel nach FTD-Informationen einen exklusiven Vertrag mit Europas größtem Elektronikhändler Media-Saturn.

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