27.05.2008 / FTD      

Telekommunikation

Obermann gelobt Datensicherheit

Konzernchef bemüht sich um Schadensbegrenzung · Staatsanwaltschaft will belastendes Material mehrere Tage prüfen

von Matthias Lambrecht, Volker Müller und Kristina Spiller

Während Vorstandschef René Obermann sich gestern um Schadensbegrenzung in der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom bemüht, haben die Staatsanwaltschaft Bonn und der Bundesdatenschutzbeauftragte eine umfassende Prüfung der erhobenen Vorwürfe angekündigt. „Die Daten unserer Millionen Mobilfunk- und Festnetzkunden sind sicher“, sagte Obermann massenwirksam der „Bild“-Zeitung. Er sei über die „Fälle missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten“ während der Amtszeit seines Vorgängers Kai-Uwe Ricke „zutiefst erschüttert“.

Der Telekom-Chef versucht, mit seinen "ußerungen in dem auflagenstarken Boulevardblatt den Imageschaden zu begrenzen und einem Vertrauensverlust bei der eigenen Klientel vorzubeugen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte, diesen in seiner Dimension bislang einmaligen Fall lückenlos aufzuklären. „Offenbar konnten da einige den Begehrlichkeiten nicht widerstehen, die mit der umfangreichen Sammlung personenbezogener Daten verbunden sind“, sagte Schaar.

Die Staatsanwaltschaft Bonn kündigte gestern eine Prüfung des umfangreichen Materials an, das ihr der Konzern zur Verfügung gestellt habe. Diese werde noch einige Tage in Anspruch nehmen. Dabei gehe es um mögliche Verstöße gegen Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes sowie die Verletzung des Fermeldegeheimnisses.

Auch Obermann forderte die Aufklärung der „Fälle von Fehlverhalten“ und „harte Konsequenzen“. Bislang haben weder Vorstände noch Mitglieder des Aufsichtsrats, die in der fraglichen Zeit zur Konzernspitze gehörten, Verantwortung für das fragwürdige Vorgehen übernommen. Laut einem Bericht des „Spiegel“ hat die Telekom in den Jahren 2006 und 2005 Telefondaten von Managern, Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet, um die Weitergabe vertraulicher Informationen aus den Führungsgremien zu unterbinden.

Ein Sprecher des früheren Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel wies gestern einen Bericht des „Handelsblatt“ zurück, wonach dieser einem Mitarbeiter der Konzernsicherheit den Auftrag erteilt habe. Ex-Vorstandschef Ricke hatte zuvor bereits gegenüber dem „Spiegel“ bestritten, die Ausspähung angeordnet zu haben.

„Bei einem seriösen Unternehmen hätte es wahrscheinlich Rückfragen zur Herkunft der Daten und eine Beratung über die rechtlichen Grenzen gegeben“, vermutete Hans Jürgen Stephan, Deutschland-Chef der Sicherheitsberatung Control Risks. Das wollten die Auftraggeber bei der Telekom offenbar vermeiden.

Der von den Bespitzelungen auch betroffene stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Schröder bewertete den Vorgang gestern gegenüber der FTD als „Riesenskandal“. Auf dem Spiel stehe „die Reputation eines Unternehmens, dass sein Geld damit verdient, die Vertraulichkeit von Telefondaten zu sichern“, sagte der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im obersten Kontrollgremium der Telekom.

Im Telekom-Management hatte das wiederholte Durchsickern vertraulicher Informationen während Rickes Amtszeit für wachsende Verärgerung gesorgt. Im Zuge der Diskussionen um den Personalabbau beim Konzern seien die Lecks noch größer geworden. „Der Informationsfluss war so groß wie bei keinem anderen Konzern“, hieß es gestern aus dem Unternehmen.

Neben dem Imageschaden und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft drohen dem Konzern nun weitere Konsequenzen: Zahlreiche Journalisten, die in den Jahren 2005 und 2006 über die Telekom berichtet haben, zogen gestern Anwälte hinzu und prüfen nun rechtliche Schritte gegen den Konzern. Sie sehen die Grundlagen des Informantenschutzes und ihrer Berufsausübung gefährdet. Darunter sind Berichterstatter des „Spiegel“, von „Capital“, der „Welt am Sonntag“ und der FTD.

Bookmark setzen bei Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen oder Webnews oder