27.05.2008 / FTD      

Telekommunikation

Neues Sicherheitskonzept versagt

Umbau der zuständigen Abteilung möglich · Kanzlei Oppenhoff & Partner prüft Vorgänge

von Volker Müller

Die Telekom ist bemüht, Zweifel am Datenschutz des Konzerns zu zerstreuen. Die Verbindungsdaten ihrer Kunden seien sicher, betonte ein Konzernsprecher gestern. Das garantiere ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Sollte es Mitarbeitern gelungen sein, unberechtigt auf Daten zuzugreifen, setze dieses „kriminelle Energie“ voraus.

Dagegen sollte eigentlich das aktuelle Sicherheitskonzept schützen. In diesem verspricht die Telekom, die Räume, in denen gesetzlich geschützte Daten verarbeitet oder gespeichert werden, vor Zugriffen zu schützen. So habe nur ein eingeschränkter Personenkreis Zugang. Jeder Berechtigte müsse sich ausweisen und könne nur auf Daten zugreifen, wenn ein weiterer Berechtigter anwesend ist, teilte die Telekom mit. Ob auch protokolliert wird, wer wann welche Daten abruft, blieb jedoch unklar.

Dass die gesetzlichen Regeln eingehalten werden, prüfen intern der Datenschutzbeauftragte und die Abteilung Konzernsicherheit. Extern kontrolliert die Bundesnetzagentur und der Bundesdatenschutzbeauftragte, ob das bestehende Konzept geeignet ist, die Datensicherheit zu gewährleisten. Dies erfolgt im Wesentlichen auf Basis der Aktenlage. Zudem überprüft die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben das Konzept punktuell einmal im Jahr vor Ort.

Das System lässt Lücken: Mitarbeitern ist es gelungen, Tausende Verbindungsdaten unbemerkt aus der IT zu kopieren und einem externen Dienstleister zur Analyse zu senden.

Bereits Anfang 2007 hatte der Telekom-Vorstand Hinweise auf einen Bruch des Telefongeheimnisses erhalten " und die Abteilung Konzernsicherheit umgebaut. Der Leiter wurde entlassen, zahlreiche Mitarbeiter versetzt. Als zusätzliche Instanz berief Telekom-Chef René Obermann den einstigen Spitzenbeamten Reinhard Rupprecht zum Konzernbeauftragten für Sicherheit. Nach Telekom-Angaben mit „weitreichenden Befugnissen“.

Die erhoffte Wirkung blieb offensichtlich aus. Der Konzern hat nun die Kölner Anwaltskanzlei Oppenhoff & Partner beauftragt, die Vorgänge und Strukturen noch einmal zu überprüfen. Sie soll den Konzern auch gegenüber der Staatsanwaltschaft Bonn vertreten. Einen erneuten Umbau der Sicherheitsabteilung schließt die Telekom nicht mehr aus.

Verantwortlich für die Konzernsicherheit in den Jahren 2005 und 2006 war der damalige Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Er bestreitet entschieden, einen Auftrag gegeben zu haben, eigene Manager und Aufsichtsräte sowie Journalisten zu bespitzeln: „Die Bespitzelungsaufträge sind offensichtlich an mir vorbeigeleitet worden“, sagte der Ex-Vorstand dem „Handelsblatt“. Vielmehr erweckte Klinkhammer den Eindruck, als habe der nach einer Steueraffäre inzwischen zurückgetretene Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel die Maßnahme veranlasst.

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