30.04.2008 / FTD      

Wirtschaftskriminalitaet

Windhorst täuscht BayernLB-Tochter

Investor bricht Vereinbarung mit Hypo Alpe Adria über Aktienkauf · Parallele zu Aktienskandal bei Nord/LB

von Volker Müller

Das einstige Wirtschaftswunderkind Lars Windhorst hat auch die Hypo Alpe Adria Bank auf Aktien sitzen lassen, die das Institut in seinem Auftrag erworben hatte. Nach Informationen der FTD beauftragte der 31-jährige Deutschlandchef des britischen Finanzinvestors Sapinda " ehemals Vatas " die österreichische Bank mehrfach, Aktienpakete an kleineren Firmen zu erwerben. Doch nahm er die Wertpapiere nicht vollständig ab. Der Hypo Alpe Adria, einer Tochter der BayernLB, ist dabei Insidern zufolge ein Schaden von 42 Mio. Euro entstanden.

Das gleiche Schicksal hatte im März bereits die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) in Hannover erlitten. Deren Wertpapierhändler hatten für Sapinda Aktien unter anderem des Handyzulieferers Balda, des Kabelherstellers Euromicron und des Altenheimbetreibers Curanum im Wert von 234 Mio. Euro erworben. Doch die von Windhorst geleitete Firma nahm die Aktienpakete entgegen ihrer Zusicherung nicht ab. Die Bank musste daher für 2007 Risikovorsorge in Höhe von 82,5 Mio. Euro treffen. Für 2008 könnten noch einmal 50,4 Mio. Euro hinzukommen, teilte die Bank unlängst mit. Das Geschäft kostete nicht nur die Händler den Job. Auch der verantwortliche Vorstand Jürgen Kösters musste zurücktreten.

Die österreichische Bank hat die Aktien der gleichen Firmen zwischen Oktober 2007 und Januar diesen Jahres erworben. Im Fall von Balda erwarb und verkaufte sie allein zehnmal Aktienpakete und hielt bis zu 4,37 Prozent an dem westfälischen Unternehmen. Bei Euromicron waren es bis zu 3,82 Prozent, bei Curanum 3,86 Prozent. Insgesamt hatten die Aktienkäufe einen Wert von 71,7 Mio. Euro.

Die Hypo Alpe Adria bestätigte der FTD den Kauf der Wertpapiere. Parallelen zur Nord/LB wies eine Banksprecher hingegen zurück: „Für die Bestände liegt eine schriftliche Abnahmeerklärung vor.“ Der Wert der von Sapinda eingegangenen Verpflichtung ist jedoch selbst bankintern umstritten. Die Sprecherin räumte ein, dass die Bank „aus Vorsichtsgründen Vorsorge getroffen“ habe. Sie veröffentlicht am Freitag ihre Bilanz für 2007. Windhorst wollte sich gegenüber der FTD nicht äußern.

Schon als 14-Jähriger gründete Windhorst seine erste Firma und machte Furore. Seit 2006 leitet er die Geschicke von Sapinda in Deutschland. Mit katastrophalem Ergebnis: Das Sapinda-Engagement bei Freenet endet nach einem Kursverlust von 43 Prozent, die Beteiligung an Air Berlin verkauft er nach einem Aktiensturz von 38 Prozent. Nicht besser ergeht es ihm bei Balda: Der Handyzulieferer hat seit September etwa zwei Drittel an Wert verloren. Analysten schätzen die Verluste auf mehr als 260 Mio. Euro.

Sapinda-Eigentümer Rob Hersov war vorgewarnt. Windhorst scheiterte bisher mit allen seinen Unternehmen, 2004 meldet er gar private Insolvenz an. 81 Mio. Euro schuldete er seinen Gläubigern, allein Hersov, der sein Geld als Investmentbanker in London verdient, 3,4 Mio. Euro. Sie alle wurden, so entschied das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg im August 2005, mit 1,55 Mio. Euro abgefunden. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Windhorst wegen Insolvenzbetrugs.

Zuletzt hatte die Deutschlandtochter von Sapinda unter den Namen Vatas operiert. Das Landgericht Hamburg verbot der Firma im März allerdings den Namen " auf Antrag einer gleichnamigen Hamburger Vermögensberatung.

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