24.04.2008 / FTD      

Telekommunikation

Verdacht auf manipulierte Mobilfunkpreise

Kartellamt ermittelt gegen T-Mobile und Vodafone

von Volker Müller

Das Bundeskartellamt hat ein Missbrauchsverfahren gegen T-Mobile und Vodafone eingeleitet. Die Wettbewerbshüter prüfen, ob die beiden dominierenden Mobilfunkbetreiber ihr Verhalten abgestimmt und mit einzelnen Tarifmodellen den Wettbewerb behindert haben. Das Verfahren hat der niederländische Telekomkonzern KPN für seine deutsche Tochter E-Plus angestoßen. Sie soll, ebenso wie der kleinere Wettbewerber O2, durch das Verhalten der beiden Marktführer seit dem Jahr 2000 geschädigt worden sein.

Den beschuldigten Anbietern hat das Kartellamt nach FTD-Informationen daher vergangene Woche einen umfangreichen Fragenkatalog zugestellt. Sie müssen nun bis Ende Mai Auskunft über die Entwicklung der Preise, Umsätze, Gewinne, Kundenzahlen, telefonierten Minuten und das Verhältnis zu den Serviceprovidern wie etwa Debitel geben. Die Fragen beschränken sich dabei auf die Praxis in den Jahren 2003 bis 2007.

T-Mobile und Vodafone beherrschen mit fast 70 Millionen Kunden Ende 2007 etwa 72 Prozent des Markts. Bereits im August 2007 hatte das Kartellamt ein Wettbewerbsdefizit zwischen den Mobilfunkern vermutet: „Auf dem Sprachtelefoniemarkt ist die Oligopolvermutung (...) durch T-Mobile und Vodafone erfüllt. (...) Der aktuelle Wettbewerb zwischen den beiden Unternehmen scheint nicht sehr ausgeprägt“, schrieben die Bundesjuristen damals in einer Entscheidung über Handy-TV.

Die Konkurrenz zwischen E-Plus einerseits und T-Mobile und Vodafone andererseits wird mit dem Verfahren deutlich verschärft. Die KPN-Tochter, mit etwa 14,8 Millionen Kunden Nummer drei in Deutschland, hatte bereits 2006 eine freiwillige Vereinbarung über Entgelte zwischen den Netzbetreibern verweigert. Die Bundesnetzagentur musste deswegen erstmals den Mobilfunk regulieren " und E-Plus zog den Groll der Branche auf sich.

Ein Vodafone-Sprecher wies die Anschuldigungen zurück: Eine Beschwerde für den langen und weit zurückliegenden Zeitraum sei nicht nachvollziehbar. Spätestens seit dem Start von Billigmarken wie Simyo herrsche reger Wettbewerb. Seit 2005 sind die Minutenpreise nach Angaben des Statistischen Bundesamts um etwa 15 Prozent gefallen. T-Mobile wollte zu dem laufenden Verfahren keine Stellung nehmen.

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