13.03.2008 / FTD      

Industrie

Nord/LB bleibt auf Aktien von Balda sitzen

Investor verweigert nach Kurssturz vereinbarte Abnahme

von Volker Müller

Balda kommt nicht zur Ruhe: Ein Investor, der die Nord/LB beauftragt hatte, 15,5 Prozent der Anteile an dem westfälischen Handyzulieferer zu kaufen, will der Bank die Aktien nun nicht abnehmen. Es soll sich nach Informationen aus Finanzkreisen um die strauchelnde Beteiligungsgesellschaft Vatas handeln. Der Kurs der Balda-Aktie stürzte in der Folge gestern um 29 Prozent ab.

Die Nord/LB hatte im Dezember zudem 13,1 Prozent am Pflegeheimbetreiber Curanum und 20,2 Prozent am IT-Unternehmen Euromicron erworben. Auch diese Aktien will der vermeintliche Investor nicht mehr haben. „Ziel ist weiterhin, dass der Kunde die Aktien abnimmt“, sagte ein Banksprecher. Die Gespräche seien aber fruchtlos geblieben. Vorsorglich hat das Geldinstitut eine Rückstellung von 82,5 Mio. Euro gebildet.

Unklar blieb, wie der Auftrag an die Bank zustande gekommen ist. Offenbar hatte der Investor die Kauforder im Dezember nur mündlich erteilt und sieht sich nun nicht in der Pflicht, das Aktienpaket zum damaligen Preis abzunehmen. Das wäre ein offenkundig schlechtes Geschäft: Seit Jahresende hat die Balda-Aktie 76,4 Prozent an Wert verloren. Der Banksprecher betonte, es habe zuvor keine Probleme mit dem Kunden gegeben.

Vatas, im Besitz des britischen Fonds Sapinda, zeigt wenig Expertise bei seinen Engagements in Deutschland: So hat Vatas im Mai 2007 vom US-Finanzinvestor TPC knapp 19 Prozent der Anteile am Mobilfunk- und DSL-Anbieter Freenet übernommen " für geschätzte 420 Mio. Euro. Das Aktienpaket hat seither 43 Prozent an Wert verloren. Als Fehlinvestition erweist sich auch das Engagement bei Air Berlin: Seit Jahresbeginn büßte die Aktie 37 Prozent ein.

Geführt wird das Investmentvehikel von Lars Windhorst. Der einst von Politik und Medien gefeierte Jungmanager hatte vor seinem Einstieg bei Vatas nahezu alle seine Firmen in die Pleite geführt und 2004 schließlich private Insolvenz angemeldet. Nach einem Urteil des Amtgerichts Berlin-Charlottenburg muss er seinen Gläubigern von den 81 Mio. Euro Schulden aber nur 1,55 Mio. Euro zurückzahlen.

Angesichts der Vorgeschichte des Vatas-Chefs sehe die Bank „ziemlich dumm“ aus, räumte ein Nord/LB-Manager hinter vorgehaltener Hand ein. Vatas äußerte sich nicht.

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