15.01.2008 / FTD      

Telekommunikation

Dommermuth stellt Versatel-Anleger kalt

United-Internet-Chef baut Anteil am Rivalen zur Sperrminorität aus · Pläne des Großaktionärs Apax durchkreuzt

von Astrid Maier und Volker Müller

Versatel ist endgültig in der Hand von United Internet (UI): Die Telekomgesellschaft hat sich beim Rivalen Versatel die Sperrminorität gesichert. UI-Chef Ralph Dommermuth hat den Versatel-Anteil von etwa 20 Prozent auf nun 25,05 Prozent aufgestockt. Ziel sei es, eine „strategische Positionierung im Rahmen der erwarteten Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes“ einzunehmen, teilte das Unternehmen gestern mit. Eine weitere Aufstockung sei nicht ausgeschlossen, so UI.

Tatsächlich kommt nun kein Anbieter mehr an Dommermuth vorbei, der sich aktiv an der Konsolidierung hierzulande beteiligen möchte. „Die Sperrminorität ist eine echte Abschreckung. Ein Konzern, der sich jetzt noch einmischt, wird automatisch ohne United auf der Verliererseite stehen“, sagte Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Oppenheim. Neben Versatel gilt der Anbieter Freenet als Übernahmekandidat " bei dem UI ebenfalls gemeinsam mit dem Konkurrenten Drillisch knapp über 20 Prozent der Anteile hält.

Dommermuth hatte noch im Dezember nach seinem Versatel-Einstieg in einem Interview gesagt, an einer Übernahme nicht interessiert zu sein. In dem Papier sei „zu viel Übernahmefantasie eingepreist“. Dies hatte das Papier freilich nach unten gedrückt. Die Versatel-Aktie brach gestern um 13,4 Prozent ein und schloss bei 23 Euro. UI-Papiere hingegen stiegen um zwei Prozent auf 14,31 Euro. Seit dem Börsengang im April 2007 hat das Versatel-Papier etwa 18 Prozent eingebüßt.

Mit der Sperrminorität raubt Dommermuth den Versatel-Großaktionären Apax und Cyrte die Chance, ihre Anteile zu attraktiven Preisen loszuschlagen. Kein anderer Anbieter werde sich nun noch für Versatel interessieren, der Kurs von heute deshalb weiter fallen, urteilten Analysten: „Eine Bieterschlacht um die letzten freien Anteile erscheint vor diesem Hintergrund wenig sinnvoll“, sagte Thomas Friedrich von Unicredit.

Für Apax ist die Entwicklung eine Katastrophe. Der US-Finanzinvestor wollte für seine Anteile mindestens 29 Euro erlösen. Einen Käufer werde er dafür kaum finden " außer UI, sagte Friedrich: „United ist in einer Position der Stärke und kann warten, bis ihm die Anteile angedient werden.“ Dommermuth hat Erfahrung, branchenfremde Finanzinvestoren auszubremsen. Ein vergleichbares Spiel gelang ihm bei Freenet: Dort sicherte er sich gemeinsam mit dem Mobilfunkdienstleister Drillisch einen Anteil und verdarb Investor Vatas einen lukrativen Ausstieg.

Versatel reagierte verschnupft auf den neuen Großaktionär: United Internet habe bislang keine Angaben zu den eigenen Plänen gemacht und lasse Kunden wie Mitarbeiter im Unklaren, kritisierte Versatel-Chef Peer Knauer. Dies drohe das Unternehmen zu beschädigen. Auch Analysten ist die weitere Strategie Dommermuths unklar. Sicher ist nur: Für die Übernahme der beiden Konkurrenten Freenet und Versatel reiche das Geld nicht, sagte Rothauge.

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