08.01.2008 / FTD      

Internet/Neue Medien

Yahoo hofft auf die Ideen anderer

Internetkonzern öffnet Handysoftware für Externe · Mobiles Internet soll Schwäche im Stammgeschäft ausgleichen

von Volker Müller

Jerry Wang, Chef von Yahoo, kämpft darum, den schwächelnden Internetkonzern zu alter Stärke zurückzuführen. Dabei soll ihm das mobile Internet massiv helfen. Auf der Unterhaltungselektronikschau CES in Las Vegas hat Wang dazu die dritte Fassung der Softwaresammlung „Yahoo Go“ vorgestellt, die der Konzern diese Woche veröffentlichen will. Sie ist zunächst zwar nur in den USA für Nokia- und Apple-Telefone verfügbar, weitere Länder und Handymodelle sollen aber folgen.

In der Version 3 ermöglicht es Yahoo externen Firmen erstmals, eigene Handyprogramme in die „Go“-Software zu integrieren und sich damit Zugang zu neuen Zielgruppen zu verschaffen. Die sogenannten Widgets können etwa Musiklisten verwalten, Börsenkurse recherchieren oder einfach nur durch ein Spiel unterhalten. Sie sollen sich überwiegend durch Werbeerlöse finanzieren, die sich Yahoo und der Widget-Anbieter teilen.

Mit dem Schritt versucht Yahoo, gegenüber seinem Erzrivalen Google wieder Boden zu gewinnen und den Erfolg des Online-Treffpunkts Facebook zu kopieren. Mit seiner Software „Yahoo Go“, die eine Handvoll Anwendungen unter einer einheitlichen, leicht zu bedienenden Oberfläche verbindet, glaubt der US-Konzern, einen wichtigen Wettbewerbsvorsprung im mobilen Internet zu besitzen.

Das Internet auf Mobiltelefonen ist einer der attraktivsten Wachstumsmärkte für die globale Werbeindustrie. Inzwischen verkaufen die Hersteller viermal mehr Mobiltelefone als Personal Computer, berichtet der Marktforscher Gartner. Zugleich werde sich das Volumen des Werbemarkts für Handys bis zum Jahr 2011 auf ungefähr 16,2 Mrd. $ verzehnfachen, prognostizieren die Branchenexperten von Emarketer in New York. Damit wächst der mobile Werbemarkt schneller als sein Internetpendant.

Der US-Internetpionier Yahoo braucht dringend Erfolge. Im Stammgeschäft, dem Onlineportal und der Werbevermarktung auf fremden Webseiten, konnte der Rivale Google seinen Vorsprung ausbauen. Erst im Juni hatte der schlechte Geschäftsverlauf Vorstandschef Terry Semel den Job gekostet. Seither führt wieder der Yahoo-Gründer Jerry Wang den Konzern, der im dritten Quartal bei 1,77 Mrd. $ einen Nettogewinn von 151,3 Mio. $ erzielte.

Die Strategie, auf die Kreativität externer Programmierer zu setzen, hatte im vergangenen Frühjahr bereits Facebook zu einem massiven Schub verholfen. Im Mai 2007 hatte das soziale Netzwerk außenstehende Entwickler eingeladen, ihre Ideen als Module für Facebook umzusetzen. Dies traf den Nerv der Nutzer: Inzwischen existieren 11 000 Widgets, während sich die Mitglieder- und Zugriffszahlen seither verdreifacht haben. Einen solchen Wachstumsimpuls erhofft sich auch Yahoo.

„Wir wollen im Mobilfunk eine gewichtige Rolle spielen, ohne unsere Wurzeln im Internet zu vernachlässigen“, sagte Marco Börries, bei Yahoo zuständig für Internetdienste auf Mobiltelefonen. Yahoo solle Ausgangspunkt für jede mobile Internetnutzung werden, wünscht sich Börries. Erste Widgets von Dritten werden vom Onlinemarktplatz Ebay, dem Internet-Treffpunkt Myspace und dem Musiksender MTV kommen, kündigte der Konzern an.

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