19.01.2009 / FTD      

Informationstechnik

Indiens Regierung fürchtet um IT-Image

Skandal um Satyam-Konzern schadet Ruf der Volkswirtschaft · Ermittlungen gegen Gründer Raju laufen schleppend

von Nilanjana Bhowmick und Volker Müller

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh hat sich entsetzt über den Bilanzbetrug beim viertgrößten IT-Konzern des Landes geäußert. „Die Vorgänge bei Satyam sind ein Schandfleck für unser Wirtschaftsimage“, sagte er am Wochenende. Satyam-Gründer Ramalinga Raju hatte in einer E-Mail an seine Vorstandskollegen am 7. Januar zugegeben, jahrelang die Bilanzen gefälscht zu haben.

Ein Gericht in Hyderabad will erst heute entscheiden, ob die Börsenaufsicht Sebi den Satyam-Gründer überhaupt zu Details seines Betrugs verhören darf " und ob Raju gegen Kaution freikommt.

Die Chancen einer schnellen, nachhaltigen Aufklärung schwinden, urteilen Experten. Das Kompetenzgerangel der verschiedenen Behörden und Untersuchungsteams könnte zu einer Verschleierung führen: Inzwischen konkurrieren fünf Bundes- und Landesbehörden um den Zugriff auf Raju. Gerüchten zufolge versuche sogar die Regierung des Bundesstaats Andhra Pradesh, Raju zu schützen. Er wird beschuldigt, über sieben Jahre die Bilanz mit Luftbuchungen aufgebläht und Barreserven in Höhe von 1,6 Mrd. $ vorgetäuscht zu haben. Um die Missstände zu vertuschen, hatte Raju zuletzt noch versucht, den Sat-yam-Vorstand zum Kauf der Immobilienfirma Maytas zu bewegen. Maytas, dessen Name rückwärts gelesen Satyam ergibt, gehört Rajus Bruder. Sie sollte die Bilanz wieder geraderücken. Der Versuch scheiterte: Raju hält nur noch neun Prozent der Anteile an Satyam.

Als Konsequenz aus dem Skandal hatte die Unionsregierung den Satyam-Vorstand abgesetzt und drei externe Manager mit der Führung beauftragt, unter ihnen den Chairman der größten indischen Privatbank HDFC. Auch der bisherige Buchprüfer PricewaterhouseCoopers muss mit Konsequenzen rechnen. Indiens Regierung könnte ihm die weitere Tätigkeit im Land verbieten.

Inzwischen besteht wieder Hoffnung, Satyam könne die Krise aus eigener Kraft überstehen. Sofern Satyam seine Außenstände rechtzeitig eintreiben könne, komme das Unternehmen ohne Finanzhilfe der Regierung aus, sagte HDFC-Chairman Deepak Parekh. Auch Amit Mitra, Chef des Verbands der Industrie- und Handelskammern, sieht Chancen: „Die neue Führung hat die besten Voraussetzungen, die Glaubwürdigkeit von Satyam wiederherzustellen.“ Damit könne das Geschäft fortgesetzt werden.

Während institutionelle Investoren aus Indien ihre Satyam-Aktien vorläufig halten wollen, hat der US-Vermögensverwalter Lazard Asset Management seinen 5,3-Prozent-Anteil am Donnerstag für lediglich 16 Mio. $ verkauft. Der britische Vermögensverwalter Aberdeen, zweitgrößter ausländischer Aktionär, hat noch keine Entscheidung gefällt.

Rajus Aufstieg vom Textilhändler zum Chef eines Konzerns mit 2 Mrd. $ Umsatz war indischen Medienberichten zufolge möglich durch enge Kontakte zur Regierung des südindischen Bundesstaats Andhra Pradesh. Der 52-jährige Raju soll laut den Berichten zudem schon 1983 in einen Betrugsskandal verwickelt gewesen sein, als er eine kriselnde Spinnerei nach einem Namenswechsel an die Börse gebracht und sich mit dem Erlös aus dem Staub gemacht haben soll.

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