12.11.2008 / FTD      

Konjunktur

Späte Quittung für Tata

Indien setzt zur Landung an. Laut krachend. Die Wirtschaft des Landes ist schwerer von der globalen Krise getroffen, als Politiker und Manager es lange wahrhaben wollten. Tata ist nur die Spitze des Eisbergs.

von Sonia Shinde

Ratan Tata hat die Notbremse gezogen. Statt Expansion verordnet er den 98 Firmen seines Konzern einen brutalen Sparkurs. Die Ikone der indischen Wirtschaft, der Konzern, der wie kein zweiter seinen Erfolg auf dem internationalen Parkett sucht, gesteht damit ein, was Wirtschaftsforscher geahnt und gefürchtet haben: Das Wirtschaftswunderland Indien brennt.

Nach drei Jahren sagenhaften Wachstums von mehr als 9 Prozent setzt das Land krachend zur Landung an. Regierung und Zentralbank unterbieten sich mit sinkenden Prognosen. Offiziell hofft Ministerpräsident Manmohan Singh zwar noch auf 7 Prozent Wachstum - doch die jüngsten Zahlen der Industrie sprechen eine andere Sprache: plus 4,8 Prozent im September. Tatas Probleme sind kein Einzelfall.

"Wir sind sicher", hatte Singh lange Zeit offensiv verkündet. Schließlich sind Indiens Banken kaum in dubiose US-Immobiliengeschäfte verwickelt. Und das Wachstum wird vorwiegend von der Binnennachfrage getragen. Es blieb eine Illusion. Längst ist die globale Wirtschaft so eng verzahnt, dass sich kein Land den Folgen der Kreditkrise entziehen kann. Seit Jahresbeginn haben ausländische Investoren und Fonds Geld in zweistelliger Milliardenhöhe aus Indien abgezogen, um Löcher in der Heimat zu stopfen - und damit eine Liquiditätskrise auf dem Subkontinent ausgelöst.

Nach jahrelanger Euphorie ist Indien dieser Tage kaum wiederzuerkennen. Die Inflation gallopiert, die Binnennachfrage kollabiert und die Arbeitslosigkeit wächst. Investitionen, private wie industrielle, werden vertagt, die Kreditzinsen explodieren und die Börse ruiniert die Anleger. Hoffnung auf eine rasche Besserung sollte die Regierung nicht hegen - entgegen ihrem Optimismus. Tatas Sparplan anders zu interpretieren, wäre fahrlässig.

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