27.06.2008 / FTD      

Telekommunikation

Callmobile bricht mit Webvertrieb

Mobilfunker stößt bei ausschließlicher Kundensuche via Internet an Wachstumsgrenze

von Volker Müller

Der Mobilfunk-Discounter Callmobile erweitert seinen Vertrieb auf den stationären Handel: Künftig sind Callmobile-Verträge auch in Filialen der Elektronikhändler Saturn und Media Markt erhältlich. Bislang hatte das Hamburger Unternehmen seine Produkte ausschließlich im Internet angeboten. Callmobile, eine Tochter des Mobilfunkanbieters Debitel, folgt damit den Wettbewerbern Congstar und Simyo, die ihren Vertrieb in den vergangenen Wochen in ähnlicher Weise erweitert hatten.

Der Schritt zeigt, dass der Onlinevertrieb von Discountverträgen im Mobilfunk an seine Grenzen stößt. Den Billiganbietern wird von Marktforschern mittelfristig ein Potenzial von etwa 25 Prozent aller Mobilfunkverträge zugebilligt. Bislang haben sie jedoch erst einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. „Mehr als die Hälfte des Markts für Discount ist offline zu finden. Dem wollen wir uns nicht länger verschließen“, sagte Timo Voswinckel, Geschäftsführer von Callmobile.

Noch vor zwei Jahren hatte Debitel schlechte Erfahrungen mit dem stationären Vertrieb von Discountverträgen gemacht. Der Stuttgarter Konzern scheiterte mit seinem Billigableger Debitel light auch an den hohen Provisionszahlungen für Saturn und Media Markt. Voswinckel: „Alle haben hinzugelernt. Die Konditionen sind so angepasst, dass sich der Vertrieb rechnet.“ Callmobile zahle bereits heute an Onlinepartner Provisionen. Die Zahlungen an die beiden Handelsketten orientierten sich daran.

Allerdings akzeptiert Voswinckel mit dem Schritt auch sinkende durchschnittliche Umsätze pro Kunde: „In dem neuen Kanal erreichen wir neue Segmente. Wer seine Mobilfunkkarte beim Händler kauft, hat im Schnitt einen niedrigeren Umsatz als ein Internetkunde“, sagte er.

Der Markt der Discounter hatte mit dem Start der Telekom-Tochter Congstar und dem O2-Ableger Fonic Mitte vergangenen Jahres noch einmal einen kräftigen Schub erfahren " getrieben auch durch das millionenschwere Marketing der Telekom. „Das hat allen im Markt geholfen, weil es die Discountanbieter sichtbarer gemacht hat“, sagte Voswinckel. Die anfängliche Dynamik des Markts nach Start des Pioniers Simyo im Jahr 2005 ist hingegen verflogen. Die E-Plus-Tochter Simyo hatte Ende 2007 etwa 940 000 Kunden, Callmobile 310 000 und Fonic 100 000. Congstar wurde von Branchenkennern auf 75 000 Kunden geschätzt. Branchenprimus war hingegen Alditalk mit 2,8 Millionen Kunden. Offiziell werden diese Zahlen nicht bestätigt.

Noch unklar ist die künftige Rolle von Callmobile innerhalb des Konzerns. Die Mutter Debitel hatte sich Ende April auf eine Fusion mit dem Wettbewerber Freenet geeinigt, der mit Klarmobil einen weiteren Discounter betreibt. „Über die Zukunft beider Discounter ist noch nicht entschieden“, sagte ein Debitel-Sprecher. Freenet und Debitel nennen keine Erfolgskennziffern für die beiden Tochterfirmen.

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